Modellprojekt Gewaltfreie Erziehung

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Ausgangslage

Gewaltfreie Erziehung

„Entgegen gängiger Vorurteile liegen die Wurzeln für Gewaltbereitschaft und Fremdenfeindlichkeit nicht vordergründig in Zukunftsangst, Politkverdrossenheit und sozialer Lage der Jugendlichen. Statt dessen spielen die Verrohung der Familienbeziehungen und situative Effekte in Freizeitcliquen wie Spaß an Gewalt eine weitaus größere Rolle als bisher angenommen.“ (Jugend in Brandenburg 1993)

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass gerade in den Familien präventive Ansätze gegen Gewalt eine nicht zu unterschätzende Bedeutung haben. Unter der Prämisse ständig zunehmender Anforderungen an Familien ( hohe Arbeitslosigkeit, geringe Chancen auf Ausbildung und Beruf, verstärkter ökonomischer Druck auf Heranwachsende etc.) und aus der daraus resultierenden Überforderung in familialen und Erziehungsbezügen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass direkte und indirekte Gewalthandlungen innerhalb des Erziehungsprozesses eine größere Rolle spielen können.

Die Familienbildungseinrichtungen bieten mit ihren Angeboten im präfamilialen Bereich (z.B. Geburtsvorbereitungskurse, Seminare für Pflege – und Adoptivelternbewerber u.a.), im Bereich der Eltern-Kind-Kurse (z.B. PEKIP, Spiel- und Turngruppen für Kinder bis zwei Jahren, Kindergartenvorbereitungskursen u.a.) sowie in Gesprächskreisen und –abenden für Eltern (z.B. zu Erziehungsthemen, Themen zu Kindergarten und Schulproblemen usw.) vielfältige Ansatzpunkte, Familien in ihren Bestrebungen nach gewaltfreier Erziehung zu unterstützen. Notwendig hierfür ist, dass den Einrichtungen der Familienbildung einerseits situationsspezifische Konzepte für die Umsetzung in den Angebotskatalog der Einrichtung und andererseits für die Kurs- und Seminarleiter/innen konkrete Handlungsalternativen angeboten werden. Als Dachverband der konfessionsfreien Familienbildungsstätten (AWO, DRK, DPWV, kommunale Einrichtungen) sieht die Bundesarbeitsgemeinschaft Familienbildung und Beratung e.V. die Notwendigkeit, dass die Einrichtungen für Familienbildung vermehrt Angebote zur Unterstützung einer gewaltfreien Erziehung schaffen.

Die Zielsetzung gewaltfreier Erziehung ist bereits in vielen Einrichtungen in ihren Kurs- und Veranstaltungskonzepten verankert. Nicht immer deutlich ist, in wie weit dieser Grundgedanke seine konkrete Umsetzung in der alltäglichen Arbeit mit Erziehenden und Kindern findet und in wie weit er explizit in der alltäglichen Arbeit öffentlich benannt wird. Darüber hinaus findet wenig Austausch zwischen verschiedenen Trägern und Einrichtungen über vorhandene Konzepte und ihre Umsetzungen statt.

In der Familienbildung gibt es vielfältige Arbeitsbereiche, in denen gewaltfreie Erziehung thematisiert und umgesetzt werden kann. Zu nennen sind beispielsweise die in Einrichtungen der Familienbildung stattfindenden Ausbildungen zu Tagesmüttern, die gesamte Angebotspalette des Eltern-Kind-Bereiches und viele andere Angebote, deren Inhalte auf Fragen der Erziehung bzw. Erziehungsschwierigkeiten abzielen.

Im Alltag der Familienbildung finden vielfach „Fachgespräche“ am „Rande“ von Veranstaltung und bei Teamtreffs statt. Die wissenschaftliche Befragung im Zusammenhang mit dem Modellprojekt GEGENWIND – Prävention sexualisierter Gewalt in Familienbildungsstätten[1] hat gezeigt, dass gerade diesen „Randgesprächen“ große Bedeutung im Zusammenhang mit Erziehungsfragen, alltäglichen Problemen, und der Auseinandersetzung mit Themen wie Gewalterfahrung und Erziehungsprobleme zukommt. Wird darüber hinaus in einer Einrichtung eine Haltung in Bezug auf gewaltfreie Erziehung deutlich, nehmen die Besucher/innen vermehrt solche Gespräch in Anspruch. Hierzu sollten die Mitarbeiter/innen über das bisher übliche Maß hinaus weitere Qualifikationen erhalten.

Die Vernetzung mit angrenzenden Arbeitsfeldern (Hilfen zur Erziehung, Kinderläden, Horten etc.) ist anzustreben. Mit diesen in Austausch zu kommen, würde die alltägliche Arbeit in Einrichtungen der Familienbildung weiter fördern bzw. wechselseitig beleben können.

Inhalte Beschreibung

Ausgehend von der Überlegung vorhandener Ressourcen vor Ort, sollen in zwei großräumigen Regionen (z.B. Berlin und Dresden) und einer größeren städtischen Einrichtung (z.B. Stuttgart) jeweils Seminare zur Einführung der Thematik angeboten werden. Ziel der Seminare ist neben der Einführung in die Thematik auch, mit den Teilnehmer/innen Aktionen und Veranstaltungen bzw. Projekte zu planen, die der Umsetzung der Zielsetzung innerhalb ihrer Einrichtung bzw. Region dienen. Es wird deshalb geplant, in Hamburg anzusetzen, da hier zwischen den Elternschulen( 20 Einrichtungen) bereits gute Kontakte bestehen und somit auch eine einrichtungsübergreifende Arbeit und Vernetzung stattfinden kann. Außerdem soll in einer größeren Einrichtung mit möglichst allen Mitarbeitern/innen aus der gesamten Einrichtung gemeinsam geplant werden, wie die Umsetzung für eine gesamte Eirichtung vorgenommen werden kann. Hierzu bietet sich beispielsweise unsere Mitgliedseinrichtung in Stuttgart an.

Innerhalb der dann anschließend zwei bis drei weiteren Seminare pro Region bzw. in der Einrichtung sollen dann weitere Schritte zur Etablierung bzw. Unterstützung bei der Umsetzung angeboten werden.

Methoden

Inhalte der Seminare werden neben der theoretische Auseinandersetzung um die Frage der Entstehung von Gewalt, Fragen des Eigenbezuges, der Konzeptentwicklung und Evaluation stehen.

Es werden Methoden wie Wissensvermittlung, Selbstevaluation und Selbstbeobachtung zur Anwendung kommen.

Zeitraum:  12 Monate

Organisation und Durchführung

Die trägerübergreifende Struktur der AGEF ermöglicht den Zugang zu unterschiedlichen Einrichtungen und Angeboten. Insbesondere unter dem Aspekt besserer Vernetzungen und Austausches, können wie oben beschrieben, regional ausgerichtete Modelle entwickelt und evaluiert werden. Gerade unter dem Aspekt der Verankerung von Einrichtungen der Familienbildung im Zusammenhang mit dem KJHG (Initiierung von Arbeitskreisen etc.) ließen sich hier Unterstützungsstrukturen weiter aufbauen und verstärken.

Aus den Erfahrungen im Zusammenhang früherer Maßnahmen und Angeboten zu gewaltfreier Erziehung bzw. den Ergebnissen des Modellprojektes GEGENWIND sind in größerem Umfang sowohl Materialien als auch Infrastruktur für die Umsetzung vorhanden. Gerade die Erfahrungen aus dem Modellprojekt GEGENWIND haben gezeigt, dass der Verankerung von Ideen bzw. Konzeptionen und deren Umsetzung in den Einrichtungen vor Ort eine große Bedeutung zukommt. Daher soll in dem Projekt auch zunächst in zwei Modellregionen und einer Stadt gearbeitet werden, um eine intensive Betreuung vor Ort realisieren zu können.

Im Laufe der Projektzeit fanden in den Städten 3 Einführungs- und 9 Begleitveranstaltungen sowie 3 Reflexionsseminare statt. Daneben wurde im Rahmen der Tagesmütterqualifizierung in Wedel eine Abendveranstaltung durchgeführt.

Nach Einführung in den Themenkomplex wurden auf den Einführungsveranstaltungen anhand eines vorgegebenen Schemas aufgefordert, eigene Materialien zu sammeln, bzw. Projekte zu konzipieren und zu planen. Daneben wurde reflektiert, welchen Stellenwert das Thema innerhalb der Einrichtung hat. Hierbei zeigte sich, dass in den Einrichtungen in Stuttgart, Wedel und Berlin die Grundhaltung der gewaltfreien Erziehung bereits seit vielen Jahren vorhanden ist. So ist die Thematik bereits in vielen Kursen und anderen Angeboten Thema, entweder explizit oder im Sinne eines ´heimlichen Lehrplanes`. Deutlich wurde auch, dass die Einrichtungen in manchen Bereichen die Haltung noch verstärkter und expliziter nach außen tragen könnten.

Die Stärkung der Rechte der Kinder, die durch das Gesetzt intendiert ist, erweist sich schwieriger umsetzbar. Da die Kinder nur über ihre Eltern erreichbar sind, ist es daher besonders notwendig, den Eltern die positiven Seiten der Stärkung deutlich zu machen.

So wurde zum einen immer die Seite der Einrichtung, ihre konzeptionellen Ausrichtung und Ausprägung, die konkrete Umsetzung in den einzelnen Angeboten und die Wirkungen auf die Zielgruppe betrachtet.

Das Elternzentrum Kreuzberg und das Elternseminar Stuttgart haben jeweils Veranstaltungen durchgeführt. Diese sind in der Dokumentation über das Projekt niedergelegt.

Den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zum Gelingen des Ganzen beigetragen haben, sei an dieser Stelle noch einmal explizit und ausdrücklich gedankt.

Die umfangreichen Materialien aus den Projekten sind über die AGEF Geschäftsstelle; Hamburger Str. 137; 25337 Elmshorn; nach Freigabe durch das BMFSFJ zu beziehen.

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Letztes update: 26.09.2016 | 16:56 | copyright © 2015 AGEF - BAG | Impressum | design iT-N.com